Das Wildseeloderhaus

 

Der Platz, auf dem die Hütte in den Jahren 1891 und 1892 gebaut wurde, war Pachtgrund von der damaligen K.K. Forst- und Domänenverwaltung und wurde erst im Jahre 1936 nach einem Grundtausch und einem Rechtsstreit mit den österreichischen Bundesforsten Eigentum des Alpenvereines.

Die Hütte wurde als Steinbau aufgeführt, Steine waren genügend vorhanden, der benötigte Kalk wurde an Ort und Stelle gebrannt, besteht doch der Hauptteil von Wildseeloder und Henne aus sogenanntem Schwarzen Kalk. Alles übrige Baumaterial wurde über den Weg durch die Zillstatt auf die Wildalm und von dort auf dem Rücken von Tragtieren und zu einem guten Teil auf dem Rücken von Trägern auf dem damals angelegten Weg Wildalm-Hütte zum Bauplatz gebracht.
Als verantwortlicher Maurerpolier beim Bau wird der alte Luchtmaurer (Sunk) genannt. Auch wird noch erzählt, dass den ersten Küchenherd der alte Irlingbauer allein hinaufgetragen hat.
Der dann als erster Bewirtschafter der Hütte aufscheinende Christian Dialer war auch beim Bau der Hütte schon beteiligt. Die fertig gestellte Hütte wurde sodann am 28. August 1892 feierlich eingeweiht und eröffnet. Christian Dialer, dessen Frau bei der Geburt eines Kindes auf der Hütte starb, erbaute später eine Kapelle neben der Hütte mit einer Gedenktafel an seine Frau. Nach dem Ausscheiden Dialers als Bewirtschafter übernahm die Sektion die Kapelle und erhielt diese auch. Im Jahre 1963 nach gänzlichem Verfall der alten Kapelle erneuerte die Sektion die Kapelle durch einen gefälligen Steinbau mit neuer Innenausstattung.

Die erste gründliche Überholung (Anstrich, Fenster, Verschindelung) wurde, wie aus den Aufschreibungen hervorgeht, im Jahre 1925 notwendig und auch durchgeführt. Im Jahre 1930 wurde das Nebengebäude mit Tragtierstall und Holzlege erbaut.
In den nun kommenden Jahren wurden außer notwendigen Erhaltungsarbeiten an der Hütte keine größeren Arbeiten durchgeführt. Jedoch auch diese Arbeiten werden bei einem Bau in so exponierter Höhenlage mit zunehmendem Alter immer häufiger notwendig und belasteten die Vereinskasse immer wieder.

Im Jahre 1953 wurden unter Obmann Alois Ortner sämtliche Fensterstöcke, Fenster und Jalousien erneuert sowie ein neuer Außenverputz an der Hütte angebracht. Im Jahre 1957 wurde die Wetterseite der Hütte neu verschindelt. 1959 wurde die erste Materialseilbahn von der Wildalm zur Hütte erstellt und dadurch die Bewirtschaftung wesentlich erleichtert. 1964 wurde eine Wasserleitung zur Hütte errichtet. 1966 war es nach zähen Grundverhandlungen möglich, einen Fahrweg von Grießenboden auf die Wildalm zu erstellen, ein weiterer Schritt zur Erleichterung der Hüttenbewirtschaftung.

Durch die Erschließung des Wildseelodergebietes durch die Sesselbahnen Streuböden und Lärchfilzkogel, dem damit verbundenen Aufschwung im Fremdenverkehr und erhöhtem Zustrom von Hüttenbesuchern tauchten jedoch ernste Schwierigkeiten in der Bewirtschaftung der Hütte auf. Durch die verkürzte Aufstiegszeit wuchs der Besucherstrom ständig.

Die Vereinsführung unter Obmann Simon Trixl wagte sich daher an den dann im Jahre 1970 durchgeführten großzügigen Erweiterungsbau, an die vollständige Erneuerung des gesamten Inneren der alten Hütte sowie an die Errichtung eines neuen Materialaufzuges, einer überdachten Bergstation für denselben und an die Anschaffung eines Stromaggregats für Licht und Heizung.

Im Neubau nimmt das gesamte Erdgeschoss ein moderner, gediegen eingerichteter Gastraum und ein Nebenstüberl mit insgesamt 65 Sitzplätzen ein. Die neuen sanitären Anlagen befinden sich ebenfalls im Erdgeschoß. Beide Stiegen wurden neu erstellt, der Aufgang in den ersten Stock anders als bisher angelegt, alle vier Zimmer wurden neu adaptiert und eingerichtet, im ersten Stock ein neuer Lagerraum mit 24 Schlafplätzen eingerichtet. Der Lagerraum im Dachgeschoß vollkommen neu eingerichtet, sodaß die Hütte jetzt insgesamt 8 Betten und 44 Lagerschlafplätze zu bieten hat. Im ersten Stock wurden zwei moderne Waschplätze eingebaut. Die ganze Hütte musste mit einem neuen Blechdach versehen werden, der Neuzubau ist zur Gänze mit Lärchenholz verschalt und die alte Hütte erhielt einen neuen Außenverputz. An der Südseite wurde ein neuer Anbau angebracht, der im Winter als Winterraum, im Sommer als Vorratsraum für den Bewirtschafter dient. Die Küche wurde neu und modern eingerichtet.

Die Wirdseeloderhütte ist also kaum mehr wiederzuerkennen, dem Bergsteiger steht heute eine ganz neue, den heutigen Erfordernissen entsprechend ausgebaute Hütte zur Verfügung. 1892 erbaut, 1970 erweitert zum Wohle unseres Ortes und im Dienste des Fremdenverkehrs. Nicht verändert jedoch hat sich die herrliche Bergwelt in der Umgebung, der glasklare Wildalpsee, die vertraute Bergkulisse im Süden eng begrenzt, nach Norden weit offen, mit den Loferer und Leoganger Steinbergen im Blickfeld.

Die Sektion Fieberbrunn lädt herzlich zum Besuch der Hütte ein und wünscht jedermann einen angenehmen Aufenthalt.

Auszug aus der Festschrift des Alpenvereins Fieberbrunn – anlässlich des 100jährigen Jubiläums im Jahre 1984.